Workshop Moderation
Warum ziehen im Unternehmen eigentlich nicht alle an einem Strang?
Ein Beitrag von Eike Bunk – Joined Learning | Stand: 01. April 2026
Ein wichtiges Meeting mit einem Kunden stand an.
Anwesend waren der Kunde und eine erhebliche Delegation aus meinem Unternehmen – wie das bei wichtigen Meetings so ist. Das Verhältnis zwischen uns als Lieferanten und dem Kunden war schon nicht mehr ganz einfach. An diesem Tag sollten wichtige Verhandlungen vorbereitet werden, um das Projekt doch noch gemeinsam zu einem guten Abschluss zu bringen.
Es lief auch ganz gut. Es wurde gescherzt, es wurde sich ausgetauscht. Bis plötzlich der Moment kam, als der Kunde einen Punkt in den Raum warf, der intern bei uns kontrovers war. Erst hielten wir die Fassung, dann aber übertrug sich die Diskussion wie eine Lunte, die das bedrohliche Feuer in Richtung Sprengstoff führt. Die Bombe platzte. Mitarbeiter:innen aus verschiedenen Teams desselben Unternehmens diskutierten plötzlich offen vor dem Kunden ihre eigenen Konflikte.
Wer das liest, weiß sofort: Das durfte nicht passieren. Ist es aber.
Wenn man diese Situation analysiert, wird oft direkt und ohne tieferes Nachdenken „Unprofessionalität“ als Ursache ausgemacht. Und dann wird weitergemacht. Bequem. Aber ganz so einfach ist es eben nicht.

Was steckt hinter Unprofessionalität?
Versetze dich kurz ins letzte Weihnachten zurück. Du sitzt mit deiner Familie am leuchtenden Tannenbaum, alles wirkt harmonisch und dennoch wissen gleichzeitig alle, dass es jederzeit wieder zum „Streit-chen“ kommen kann. Warum eigentlich? Das Ziel war doch dasselbe: ein gemütlicher Abend im Kreise der Familie. Niemand ist mit dem Gedanken angereist: „Heute zettele ich mal einen Jahrhundertstreit an.“ Nicht bewusst jedenfalls.
So ist es auch im beruflichen Kontext. Überraschung: Die Familie ist in diesem Beispiel das eigene Unternehmen. Keine externen Einflüsse, keine geschickt verhandelnden Kunden, die Keile in die Verhandlung treiben. Nur wir. Und nur ein Ziel: ein erfolgreiches Unternehmen gestalten.
Professionalität ist keine Eigenschaft, die man einfach erlernen kann – sonst gäbe es längst eine App dafür. Und unterschiedliche Ziele fallen als alleinige Ursache auch aus, wie wir gerade gesehen haben. Also: Was ist das Wesen der Unprofessionalität?
Es ist so einfach wie kompliziert: Unprofessionalität ist ein Symptom. Eine Eigenschaft, die sich zeigt, wenn zwischenmenschliche Dinge nicht funktionieren. Sie findet allein im Inneren der Menschen statt – es gibt keine „5 Dinge, an denen sich Unprofessionalität sicher erkennen lässt“. Für mich ist es im Kern eine Art des Nicht-gesehen-Werdens. Das Gefühl, dass mein Gegenüber, ob in Kundenverhandlungen, internen Meetings oder am Weihnachtsbaum, in einem Moment meine Bedürfnisse als Mensch nicht wahrnimmt.
Im beruflichen Kontext ist es fast immer dasselbe: nicht ernst genommen werden.
Mein Team hat Abhängigkeiten von anderen Teams. Mein Chef hat mir Ziele ins Aufgabenheft geschrieben. Und wenn dann jemand kommt und ausschließlich an sein eigenes Team denkt, fühlt man sich schnell übergangen und persönlich angegriffen, dabei war man eigentlich auf der gleichen Autobahn unterwegs. Nur auf einer anderen Spur. Der oder die andere war eben schneller und hat uns rechts überholt.
Gibt es einen Menschen, der sich nicht ärgert, wenn er rechts überholt wird? Herzlichen Glückwunsch: Du bist professionell.
Und woher kommt nun dieses Problem?
In meinen beruflichen Stationen hatte ich noch nie das Gefühl, dass wirklich professionell gearbeitet wurde. Wenn ich Menschen aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis fragte, bestätigten sie das für ihr Unternehmen auch. Zugegeben: Das ist eine kleine Stichprobe. Aber eine, die viel aussagt.
Wenn man also im Unternehmen Professionalität erreichen will, braucht es nichts weiter als eine Unternehmenskultur, die offenen Austausch ohne persönliche Verletzung fordert und fördert. Diskurs wird dann zu dem, was er immer sein sollte: eine Meinungsverschiedenheit ohne Ego-Explosion. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das massiv unterschätzt wird.

Also ist die Geschäftsleitung schuld?
„Der Fisch stinkt vom Kopf“ – wer hat diesen Satz noch nie gehört? Ich habe ihn hunderte Male benutzt. Was ich damit tat: mich selbst aus der Verantwortung nehmen. Bequem.
Ein Beispiel aus meiner eigenen Praxis – und ja, ich war Teil des Problems. Bei einem früheren Arbeitgeber standen Umbaumaßnahmen an. Temporär gab es weniger Arbeitsplätze als Menschen. Die Lösung: ein Container vor dem Gebäude, vier Plätze. Die Frage, welche Berufsgruppe dort einziehen sollte, eskalierte unter den Vorgesetzten sofort. Eine Kollegin reagierte auf jeden Satz, der auch nur im Ansatz nach Abschieben klang, mit einer Allergiereaktion. Was niemand laut sagte, war das Eigentliche: Wir hatten auf einer völlig anderen Ebene einen sachlichen Konflikt laufen – und der entlud sich hier maximal persönlich. Erst mein Vorschlag, zwei Plätze der einen und zwei der anderen Gruppe zuzuweisen, ließ kurz die Luft raus. Es wurde spürbar nach Gegenargumenten gesucht. Dann wurde es still. Nicht weil alle glücklich waren, sondern weil die sachliche Ebene plötzlich keinen Angriffspunkt mehr bot. Für diesen Moment.
Denn richtig ist: Die Ursache sind alle Mitarbeiter:innen. Unterschiedlich ist nur die Einflussmöglichkeit…
Was also tun?
Wenn auch bei dir im Unternehmen die Zusammenarbeit zwischen Teams und Abteilungen oft von Streitigkeiten und Unwohlsein geprägt ist, egal ob nur intern oder sogar vor Kunden, dann lohnt es sich, gemeinsam auf die Ziele und die vorherrschenden „unwritten rules“ zu schauen. Was wirkt hier gerade zwischen den Teams? Wo haben die Themen ihren Ursprung? Wer fühlt sich von wem weswegen übersehen?
Solche Dinge lassen sich, sofern die Fronten noch nicht komplett verhärtet sind, wunderbar in gut organisierten Workshops bearbeiten. Am besten mit externer Moderation. Denn man selbst ist oft schlicht betriebsblind.
Ich zumindest habe immer nur schwer erkannt, was mein eigener Anteil war, wenn ich mittendrin im Schlamassel steckte. Wenn du ehrlich bist, geht es dir wahrscheinlich genauso.
Moderierte Workshops für bessere Zusammenarbeit
Ich gehe einen solchen Workshop immer mit einem ausführlichen Vorgespräch mit der Führung an. Ziele synchronisieren, Spielregeln vereinbaren. Bei bestimmten Regeln gibt es für mich keinen Verhandlungsbedarf: wertschätzender Umgang miteinander und zwar jederzeit. Allen Menschen steht das Recht auf Raum und Stimme zu. Sie sehen und hören.
Sollten sich bereits die Führungskräfte nicht auf diese eine Regel verständigen können, wird die Ursache des Problems schon im Vorgespräch glasklar. In einen Workshop mit dem gesamten Team zu gehen macht dann keinen Sinn – zunächst müsste das bearbeitet werden. Es kaskadiert von oben nach unten. Nicht, dass es andersrum nicht ginge, aber so ist es einfacher.
Führungskräfte sind Vorbilder und müssen sich dieser Funktion jederzeit bewusst sein. Sie strahlen in ihr Team und in andere Teams. Also müssen sie hell leuchten und nicht wie eine schlecht geputzte Lavalampe.
Auf diese Weise kann die Zusammenarbeit zwischen Teams und Abteilungen nachhaltig verbessert werden. Die Professionalität kommt dann von ganz alleine. Und überholt doch mal jemand rechts? Dann haben wir nach dem Workshop Werkzeuge, die verhindern, dass die Situation so eskaliert wie früher. Im Sinne des Unternehmens, der Abteilungen, der Teams und der Kunden. Und wer weiß: Vielleicht sogar im Sinne des nächsten Weihnachtsabends.
